Universität Zürich, Wintersemester 2006/2007
Numismatisches Kolloquium:
«Zentrum und Provinz – Münzprägung und Geldumlauf in der römischen Kaiserzeit»
Das Münzwesen der römischen Kaiserzeit steht im Spannungsfeld zwischen den Zentren der Herrschaft, wo Münzgeld geprägt und die Leitlinien des Geldwesens formuliert wurden, und den Provinzen des Reichs, in denen das Münzgeld verwendet wurde und im wirtschaftlichen Alltag fassbar wird. Das Münzwesen steht auch im Spannungsfeld zwischen herrscherlichen Ansprüchen und staatlicher Repäsentation und deren Umsetzung und Auswirkung auf provinzialer Ebene. Ein Grossteil des Quellenmaterials ist in Form von Münzfunden überliefert, die von der provinzialrömische Archäologie bereitgestellt werden. Römischer Geldumlauf ist daher meist Geldumlauf in der «Provinz».
Das Kolloquium macht zum einen mit Quellen, Forschungsansätzen und Fragestellungen der römischen Numismatik vertraut. Dazu gehört auch die Einführung in das wichtigste Quellenmaterial, die Münzen selbst; deshalb sind mehrere Sitzungen im Münzkabinett Winterthur der Arbeit mit Originalmaterial gewidmet. Zum andern steht die multidisziplinäre Verknüpfung einer zeitgemäss verstandenen römischen Numismatik mit historischen, archäologischen und auch materialwissenschaftlichen Fragestellungen im Vordergrund.
Literaturhinweise: Christopher Howgego, Ancient History from Coins (London 1995), dt. u.d.T. Geld in der Antiken Welt (Darmstadt 2000); Cathy E. King / David G. Wigg (Hrsg.), Coin Finds and Coin Use in the Roman World: The Thirteenth Oxford Symposium on Coinage and Monetary History (Berlin 1996); Reinhard Wolters, Nummi signati. Untersuchungen zur römischen Münzprägung und Geldwirtschaft (München 1999); Markus Peter, Untersuchungen zu den Fundmünzen aus Augst und Kaiseraugst (Berlin 2001).