Lehrveranstaltungen an der Universität Wien

Wintersemester 2004–2005

 

Allgemeine Numismatik

 

Anrechenbar für das Studium der Geschichte. Prüfungscode: Freies Wahlfach / D700.

Die Lehrveranstaltung beginnt mit einem kurzen Abriss der Münzgeschichte von den Frühformen des Geldes im Vorderen Orient über die Münzgeschichte der Antike, des Mittelalters über der Neuzeit bis zur Erfindung (?) und Einführung des Euro. Daran schliessen sich dann einzelne Kapitel an, in denen epochenübergreifend die wichtigsten Termini und Methoden der Forschung dargelegt werden.

Besprochen werden dabei:
Fachdefinition, Materialien der Numismatik, Wissenschaftsgeschichte, Beziehungen zu den Nachbarwissenschaften, Münz- und Prägerecht, Münz- und Prägetechnik, Bild und Schrift auf Münzen und Geldzeichen, Stil und Aussage, Interpretations­möglich­keiten, historischer Quellenwert.

Lehrziel: Grundkenntnisse der Fachgliederung und Terminologie und sowie der wichtigsten Fachliteratur.

Beurteilung: Mündlich und schriftlich in der letzten Stunde oder nach Vereinbarung.

Zur Ergänzung und Vertiefung sollte das Konversatorium zur Einführungsvorlesung besucht werden.

 

Anrechenbar für das Studium der Geschichte. Prüfungscode: Freies Wahlfach / D700.

Die begleitende Lehrveranstaltung bietet den Teilnehmern und Teilnehmerinnen Gelegenheit, den Stoff der Einführungsvorlesung durch Beschäftigung mit Originalmaterial und Lektüre von Quellentexten zu vertiefen. Hier ist auch Platz für weiter ausgreifende Diskussionen und Debatten.

Da diese Lehrveranstaltung als moderiertes Diskussionsforum fachspezifischer Fragen geplant ist, bedarf es der aktiven Beteiligung der Studierenden.

Beurteilung: Nach der Aktivität in der Lehrveranstaltung.

 

Das Erkennen von Fälschungen gehört zu den fundamentalen Fähigkeiten eines Numismatikers. An Hand einer unlängst von der Münzhandlung Sauer in Wien dem Institut geschenkten Gruppe vermutlich gefälschter Münzen – ergänzt um Material aus der eigenen Institutssammlung – werden in dieser Arbeitsgemeinschaft Kriterien für die Erkennung von Fälschungen erarbeitet. Dann sollte sich über die objektiven Kriterien hinaus bereits ein Gespür für zweifelhafte Stücke einstellen.

 

 

Antike Numismatik

 

Das exakte Beschreiben und Bestimmen der Münze bildet die Grundvoraussetzung für jede wissenschaftliche Arbeit in der Numismatik. Ziel der Vorlesung (mit nachfolgender Übung) ist es, die dafür notwendigen Kenntnisse (Terminologie, Metalle, Metrologie, Nominalien, Typologie, antike Realien, Umgang mit Bestimmungsliteratur etc.) soweit zu vermitteln, daß eine selbständige Orientierung erreicht wird. Ein Schwerpunkt ist das gemeinsame Üben an Lichtbildern sowie an Originalen der Institutssammlung.

 

Anhand von Originalmünzen und Galvanos aus der Institutssammlung wird einzeln oder in Zweiergruppen das Lesen, Erfassen der Struktur, Zeichnen und korrekte Beschreiben der Münzen sowie das Bestimmen nach der jeweils maßgeblichen Literatur geübt. Die Veranstaltung richtet sich besonders auch an Angehörige der Nachbarfächer (Archäologie, Ur- und Frühgeschichte, Alte Geschichte, Kunstgeschichte).

Der Besuch der Übung ist nur in Verbindung mit der Vorlesung Alram möglich.

 

Zu jenen oft unscheinbaren Objekten, dank denen archäologische Stratigraphien in der Regel datierbar werden, gehören an erster Stelle die Fundmünzen. Anders als bei (mehr oder minder wertvollen) Vergrabungshorten sind Verlustmünzen vielfach kleinere Stücke von geringem Wert und oft genug in schlechtem Zustand, weshalb ihre Bestimmung auf Probleme stoßen kann. Da die numismatische Evidenz neben einer bloßen Datierung vielfach aber auch zu weiter reichenden Schlüssen führen kann, darf die Bearbeitung nicht auf halbem Wege enden.

Die Vorlesung gliedert sich in zwei Teile:

1. Anhand von publizierten Fundmünzen aus stratigraphischen Zusammenhängen (z. B. Aguntum/Osttirol, Ephesos/Türkei) werden die dort gewonnenen numismatisch-archäologisch-historischen Resultate analysiert und kritisch nachvollzogen.

2. Zur Illustration, mit welchen Problemen der Numismatiker bei der Bestimmung oft konfrontiert ist, werden a) anhand abgespeicherter Münzdaten und b) mittels noch unbestimmter originaler Kleinmünzen all jene Schritte durchlaufen, die zum optimalen Ergebnis führen sollen.

Das Ziel der Lehrveranstaltung ist es, die fluktuierenden Methoden bei der Behandlung gegebener Fundmünzen zu illustrieren und außerdem die extensive Nutzung aller möglicher Referenzwerke und externer Quellen en praxei vorzuführen.

 

Als Teil der vierteiligen (Rom, Griechen, Kelten und Alter Orient) Übersicht zur antiken Münz- und Geldgeschichte bietet die Lehrveranstaltung einen Überblick zur griechischen Münzkunde von den Anfängen im lydischen Kleinasien bis zum Aufgehen der griechischen Staatenwelt im römischen Provinzialsystem.

Angesprochen werden vor allem Fragen der Nominaliengeschichte, Typenbildung und Typeninterpretation, der Stilentwicklung und der Chronologie.

Lehrziel: Grundkenntnis der Typen, der Datierungskriterien und der Literatur.

Frontalvortrag mit Lichtbildern und Vorweisung von Originalen.

Beurteilung: Mündlich und schriftlich in der letzten Stunde oder nach Vereinbarung.

 

Anrechenbar für das Studium der Geschichte. Prüfungscode: Freies Wahlfach / D700.

Nach einem ausführlichen Rückblick auf die spätrömische Zeit wird das frühbyzantini­sche Münzwesen des 6. Jahrhunderts in seiner für das Ver­ständnis der frühmittelalterli­chen Geldgeschichte grundlegenden Bedeu­tung an Hand von Originalmaterial und mit Interpretation zeitgenössischer Texte besprochen sowie eine ausführliche Behandlung des Forschungs­standes und seiner fachliterarischen Darstellung geboten. Als vornehmli­ches Lehrziel wird eine umfassende Typenkenntnis angestrebt.

Begleitlektüre: Philip Grierson, Byzantine Coins, London 1982.

 

Anrechenbar für das Studium der Geschichte. Prüfungscode: Freies Wahlfach / D700.

Ergänzend zur Vorlesung werden das Bestimmen zahlreicher Münzen unterschiedlicher Erhaltungsgrade - von der Reinigung bis zur Zitierung - eingeübt, wobei moderne Instrumentarien zum Einsatz kommen, und die Problematik der Beurteilung von Häufigkeit und modernem Marktwert diskutiert.

 

Neben Rom war das Reich der Sasaniden von 224 bis zu seiner Eroberung durch die Araber in der Mitte des 7. Jahrhunderts die zweite Großmacht der Spätantike. Die Vorlesung hat das Ziel, mit der Münzprägung die wichtigste und als einzige kontinuierlich fließende Quelle zum sasanidischen Staat zu erschließen. Nebst einem historischen Überblick werden Typologie, Nominalien und die Grundstruktur der Münzstättenverwaltung behandelt. Auch die Münzen der frühislamischen Statthalter der 2. Hälfte des 7. Jahrhunderts, die typologisch weitgehend spätsasanidischen Prägungen entsprechen, werden vorgestellt.

 

Die Übung hat das Ziel, praktische Erfahrung mit der Beschreibung und Bestimmung sasanidischer und arabosasanidischer Münzen zu vermitteln. Ihr Besuch ist nur in Verbindung mit der Vorlesung sinnvoll.

 

Ziel des Seminars ist es, zu untersuchen, ob sich in der Münzprägung der aus dem Seleukidenreich hervorgegangenen kleinen Königreiche die Positionierung zwischen den Großreichen Rom – Seleukiden  und Parther deutlich machen lässt. Insbesondere wird zu beobachten sein, ob sich das Ende der Selbständigkeit in der Münzprägung abzeichnet. In Frage kommen hier besonders Bithynien, Pontos, Kappadokien, Armenien, etc. Die konkrete Themenvergabe erfolgt in der ersten Stunde.

Beurteilung: Referat, schriftliche Arbeit und aktive Mitarbeit.

 

 

Numismatik des Mittelalters und der Neuzeit

 

Im Rahmen der Lehrveranstaltung wird der Nachlass des österreichischen Medailleurs Arnold Hartig (1878–1972) einer wissenschaftlichen Bearbeitung unterzogen. Die Studierenden sollen anhand des aus Entwurfszeichnungen, Modellen und ausgeführten Medaillen bestehenden Bestandes einerseits die Dokumentation derartigen Materials erlernen, andererseits Einblicke in den Erkenntniswert von Künstlernachlässen erhalten.

Das Proseminar findet im Münzkabinett des Kunsthistorischen Museums statt, die Zahl der Teilnehmer ist beschränkt.

 

Anrechenbar für das Studium der Geschichte. Prüfungscode: Freies Wahlfach / D700.

Allgemeine Überblicksvorlesung mit konventionellem Lehrbetrieb an Hand von Originalen und Bildern, in der Einteilungskriterien, Quellen, Nomina­lien, Metrologie und Münztypologie vermittelt werden. Die Vorlesung wen­det sich insbesondere auch an Historiker ohne numismatische Vorkennt­nisse.

 

Anrechenbar für das Studium der Geschichte. Prüfungscode: M7; LAGM2 / D700/Mittelalter.

In Ergänzung der Vorlesung werden die Teilnehmer anhand von Origina­len mit dem Erscheinungsbild mittelalterlicher Münzen vertraut gemacht. Zeitliche und regionale Eigenheiten, die eine erste Einordnung einer unbe­stimmten Münze erlauben, sollen so deutlich werden. Grundlegende Nach­schlageliteratur, Bestimmungshilfsmittel und Zitierwerke werden in der Übung besprochen und benützt.

 

Anrechenbar für das Studium der Geschichte. Prüfungscode: Freies Wahlfach / D700/Mittelalter.

Das Aufkommen einer ausgebildeten landesfürstlichen Verwaltung in deutschen Territorien im 14. und 15. Jahrhundert bedeutet für die Numismatik, daß ab dieser Zeit ein umfangreicher Niederschlag schriftlicher Quellen zu Münzgeschichte und Münzpolitik zur Verfügung steht.

Unter Berücksichtigung archivalischer wie numismatischer Quellen wird die Vorlesung am Beispiel der bayerischen Herzogtümer im 15. Jahrhundert einen Überblick über das münzpolitische Handeln und die Münzgeschichte süddeutscher Landesfürsten geben.

 

Im Zuge einstündiger Übungen, die in Blockform stattfinden, sollen kleine Bereiche der Institutssammlung in ihrer Feinordnung revidiert und die Bestimmungen nach neuerer Litera­tur überprüft bzw. ergänzt werden. Neben der Auseinandersetzung mit der Literatur und möglichen Ordnungssystemen steht das Hantieren mit dem Originalmaterial im Vordergrund.

In diesem Semester wird die Bearbeitung der deutschen Gepräge der Neuzeit fortgesetzt.

Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung.

 

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