Münzsysteme und Rechensysteme (13.–16. Jahrhundert)

 

Funktionen des Geldes

 

Die drei Funktionen des Geldes

Wertaufbewahrung

Zahlungs- und Tauschmittel

Recheneinheit

 

werden durch die mittelalterlichen Währungen nie gleichzeitig erfüllt. Münzen sind in erster Linie Tauschmittel und dienen der Wertaufbewahrung, Rechengeld dient der Wertbemessung.

Die Münzen selbst sind gleichzeit Wertmesser und wie auch bewertete «Ware»; Münze haben Kurse, die je nach Metallgehalt, Verfügbarkeit der Münzen und dem Wertverhältnis Gold–Silber zum Teil stark schwanken.

Diese grundlegende Dichotomie führte in der Literatur zu höchst unterschiedlichen Konzepten des Rechengeldes, der Rechnungswährung.

 

Gleichzeitig bilden sich verschiedene Ebenen des Münzumlaufs heraus:

– ein lokale Münzsystem, das meist auf Kleinmünzen basiert

– ein interregionales Münzsystem, das auf Paritäten verschiedener lokaler Münzsysteme beruht

– ein internationales Münzsystem (seit dem 14. Jh. meist Gold) als Dachwährung

 

Münzsorten können zunächst Zähleinheiten, dann – sich selbst im Wert verändernde – Wertmesser sein und schliesslich zu Recheneinheiten werden, wenn sich ihr Umtauschverhältnis zu andern Münzen bei Umrechnungen vom tatsächlichen Kurswert abkoppelt (Fossilisierung des Umtauschverhältnisses).

Nahezu alle wichtigen Rechengeldsysteme sind daher ehemalige Münzgeldsysteme.

 

 

Von der Münze zur Münzeinheit

 

Florenz

1252–1279

– Goldgulden: zuerst Äquivalent des Pfundes, d.h. 20 Soldi = 240 Denari piccoli

– Grosso: zuerst Äquivalent des Schillings (solidus) = 12 Denari piccoli

– dann entwickeln sich der Denaro piccolo und der Grosso unterschiedlich: beide Münzsorten vermindern den Silbergehalt und verlieren an Wert, der Denaro aber stärker als der Soldo

 

1279

– die Grossoprägung wird eingestellt; Grossi sind aber bis Ende des 13. Jh. noch im Umlauf

– das Wertverhältnis des Grosso zum Gulden steht auf 29 soldi (grossi) und wird fossiliert

 

 

Flandern

 

– zunächst kleine Deniers (Deniers parisis), dann grosse Deniers (flämische Sterling zu 4 Deniers parisis)

– zu Beginn des 14. Jh. Prägung des Groot zu 3 Sterling und 12 Deniers parisis

– der Groot wird zur Grundeinheit der Rechenwährung, das Verhältnis 1 Groot = 12 Deniers parisis = 3 flämische Sterling wird fossiliert

– die Münzen (Groot, Sterling, Denier parisis) verändern ihren Wert zueinander, das Wertverhältnis in der Rechnung bleibt

 

 

Wichtige Rechensysteme des europäischen Mittelalters

 

 

Karolingisches System

1 Pfund (libra) = 20 Schilling (solidus) = 240 Pfennig (denarius)

Abwandlung in Bayern und Österreich (bis 15. Jh.)

1 Pfund = 8 Schilling = 240 Pfennig; 1 Schilling = 30 Pfennig

 

 

Livre tournois

1 Livre = 20 Gros tournois = 240 Deniers tournois

 

 

Florin – Gros

1 Florin = 12 Gros

oder

1 Florin = 16 Gros

 

 

Pfund Sterling

1 Pfund = 240 Pfennig Sterling; Farthing = ¼ Pfennig Sterling

 

daneben

 

Mark Sterling

1 Mark = 160 Pfennig Sterling = 2/3 Pfund Sterling

 

 

Mark

 

Zählmark

Lübeck: 16 Schilling = 192 Pfennig

Köln: 12 Schilling = 144 Pfennig

 

Gewichtsmark

ca. 232–239 g Feinsilber, je nach Ort

 

 

Kolloquium 2003: Übersicht

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