Numismatisches Kolloquium SS 2003
Numismatisches Glossar, Definitionen, Ansichten zur Numismatik
Kleines Glossar numismatischer Termini
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deutsch |
französisch |
englisch |
italienisch |
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Münze |
monnaie(s) |
coin, coins |
moneta, -e |
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Geld |
Monnaie |
money |
moneta |
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Münzprägung |
monnayage |
coinage |
monetazione |
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Münzstätte |
atelier monétaire |
mint |
zecca |
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Münzstempel |
coin |
die |
conio |
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Rechenpfennig |
jeton |
(reckoning) counter, jetton |
gettone |
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Marken / Zeichen / Jeton |
méreau |
token |
tessera |
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Medaille |
médaille |
medal |
medaglia |
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Vorderseite (Vs.) |
avers (av.) |
obverse (obv.) |
diritto (D/) |
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Rückseite (Rs.) |
revers (rv.) |
reverse (rev.) |
rovescio (R/) |
Definitionen der numismatischen Objekte
Münze
Objekt aus Metall (selten aus anderem Material), geprägt oder gegossen, mit Geldfunktion.
Medaille
Münzähnliches Objekt, in allen Metallen vorkommend, geprägt oder auch häufig gegossen, das keine Geldfunktion hat, sondern der Kommemoration, der Auszeichnung, der Devotion oder Schmuckzwecken dient.
Rechenpfennig
Münzähnliches Objekt (meist aus Buntmetall, in der Regel geprägt), das zum Rechnung legen auf Linien verwendet wird.
Marke / Zeichen
Münzähnliches Objekt, meist aus Messing, Bronze oder einer Bleilegierung, häufig gegossen, das keine Geldfunktion hat, aber Quittung/Forderung für geldwerte Leistungen, als Eintritt oder als Erkennungs- und Wahlzeichen etc. verwendet wird; kann unter bestimmten Umständen (z.B. in geschlossenen Wirtschaftskreisläufen) zeitweise Geld(ersatz)funktion übernehmen.
Ansichten
Definition des Fachs / Arbeitsfelder
«Die Numismatik ist die Wissenschaft vom historischen Geldwesen in allen seinen sachlichen, chronologischen und geographischen Erscheinungsformen und Bezügen. Sie ist eine besonders materialintensive Grund- und Quellwissenschaft der Geschichte und dank eigener Methoden und einer eigenen ausgebreiteten Fachliteratur notwendigerweise ebenso selbständig wie die ihr nächstverwandten Disziplinen auch. (...) Der Aufbau des Faches Numismatik besteht daher aus den drei Hauptteilen Münzkunde, Münzgeschichte und Geldgeschichte, zu denen notwendigerweise eine Methodenlehre zu treten hat.»
Robert Göbl, Numismatik: Grundriss und wissenschaftliches System, München 1987, S. 14.
«La numismatique désigne ainsi les recherches menées sur, autour, à partir des monnaies et des objets d’aspect voisin, comme les diverses catégories de jetons, ou d’usage parallèle, comme le papier-monnaie.
Son premier but est de décrire ces objets, de les identifier (c’est-àdire de préciser le lieu et la date de fabrication, l’autorité émettrice, la dénomination et la valeur de la pièce), de les classer, en pratiquant une critique d’authenticité, et de les inventorier en établissant des répertoires commodes. Mettre à la disposition des historiens des sources monétaires (...) correspond à la fonction première de la numismatique, science auxiliaire de l’histoire.
La numismatique a pour seconde vocation de tirer parti (...) de ses documents, de les faire parler par eux-mêmes et en les replaçant dans leur contexte historique, économique et artistique. (...) Il est une voie, celle de l’histoire monétaire, sur laquelle les numismates se sont engagés le plus volontiers.»
Marc Bompaire / Françoise Dumas, Numismatique médiévale: monnaies ert documents d’origine française, Turnhout 2000 (L’atelier du médiéviste, 7), p. 11.
«The study of medieval numismatics in the twentieth century has been basically concerned with five main topics, one purely numismatic and the others merging into monetary history. The purely specialist subject is numismatic chronology, the effort to date and localize coins more precisely than can be done by the simple reading of their inscriptions. Two of the others, coin metrology and metallic fineness, represent extensions of what we can learn about coins from superficial examination through the study of those features which mainly determined their value. The third and fourth, mint output and the behaviour of coins in circulation, are extensions of our knowledge of coinage as distinct from our knowledge of coins.» [Hervorhebungen B. Zäch]
Philip Grierson, Medieval Numismatics, in: Medieval Studies: an Introduction, hrsg. von James M. Powell, Syracuse N.Y. 1976, S. 103–150. – Wiederabdruck (ohne bibliographischen Anhang) in: Philip Grierson, Later medieval numismatics (11th–16th centuries): Selected Studies, London 1979 (Variorum Reprints, Collected studies series, CS 98), I.
Aussenansicht
«Die Historischen Hilfswissenschaften, die ihrer Natur nach traditionell zum ‚Werkzeug des Historikers‘ (Ahasver von Brandt) gehören und deren Aufgabe darin besteht, bestimmte Quellenarten und die natürlichen Bedingungen der Geschichte so aufzuarbeiten, dass Historiker/innen sie verlässlich nutzen können, sind in ihrer grundlegenden Bedeutung für die Geschichtswissenschaften zwar erkannt – manche bevorzugen daher den Begriff ‚Historische Grundwissenschaften‘ –, haben mit dem dargelegten Wandel der Forschung jedoch zweifellos ihr einstiges Ansehen eingebüsst. (...) Die letzten Jahrzehnte sind nun durch eine – paradigmatische – Entwicklung gekennzeichnet, welche die Historischen Hilfswissenschaften aus ihrer traditionellen Rolle heraustreten liess, indem sie von fachspezifischen Blickwinkeln aus wichtige Beiträge zur allgemeinen Geschichte leisteten und damit die enge Verwobenheit von Grundlagen- und Spezialforschung, von alten und neuen Fragen dokumentieren. Das betrifft nahezu alle Hilfswissenschaften. (...) Eine ähnliche Ausweitung ist auch für die Numismatik festzustellen, die längst in breitem Masse Wirtschaftsgeschichte betreibt.»
Hans-Werner Goetz, Moderne Mediävistik: Stand und Perspektiven der Mittelalterforschung, Darmstadt 1999, S. 153 f.
Innenansicht
«Es ist an der Zeit, die Mittelalternumismatik als ‚Museumswissenschaft‘ durch eine dauerhafte universitäre Anbindung zu ergänzen. (...) Als materialintensive Wissenschaft, deren Fundus ständig wächst und deren Methoden sich in den letzten Jahren sehr verändert haben, steht die Mittelalternumismatik noch mitten im Stadium der kritischen Quelleneditionen. Deshalb erscheint sie nach aussen häufig als ein unfertiges Fach, das sich in Klein-Klein-Aktivitäten verzettelt und für die Geschichtserkenntnis wenig beiträgt. Sie muss daher versuchen, einerseits als (Hilfs-)Wissenschaft im positiven Sinne stärker auf die Bedürfnisse des Historikers und Wirtschaftshistorikers einzugehen und andererseits Verständnis und Mittel für ihre eigenen notwendigen und langwierigen Quelleneditionen finden. Beides wird ohne engere Bindungen zwischen Museum und Universität nicht gehen.»
Bernd Kluge, Numismatik: Projekte und Perspektiven einer historischen (Hilfs-) Wissenschaft, in: Mittelalterforschung nach der Wende 1989, hrsg. von Michael Borgolte, München 1995 (Historische Zeitschrift, Beihefte [Neue Folge], Bd. 20), S. 264.
Aussicht
«The availability and use of money have changed so much and so often over time that it must be considered one of the key variables in our understanding of medieval societies, along with population, religion and developing agricultural, industrial and commercial techniques. (...) It is all too easy for the study of money in the Middle Ages to be focussed in the actual coins themselves. Coins were, of course, only a part of the money supply. (...) with the growth of economic and social history as a discipline in the past century or so, the realisation has become clearer that numismatics, let alone monetary history, ought to have an important role to play. The very vocabulary of numismatics, which has become even more esoteric in the past generation, has also been a deterrent. Until recently few economic historians have been sufficiently conversant with this ‚language’ to articulate it fully enough to treat the changing role of money in the European economy. They have therefore not, for example, been able to write with confidence of money as one of the keys to the developed market economy of Europe in the later Middle Ages; yet it deserves study as much, or more than, the history of demography, technology or slavery.»
Peter Spufford, Money and its use in Medieval Europe, Cambridge 1988, p. 1, 3.