Lehrveranstaltungen an der Philipps-Universität Marburg

Wintersemester 2004–2005

 

Fachbereich Geschichte und Kulturwissenschaften

Historische Hilfswissenschaften und Archivwissenschaft

 

Di 14-16, WR C 412, Beginn: 19.10.2004

Der auf zwei Semester angelegte Vorlesungszyklus befasst sich mit der Begrifflichkeit der Fächer Numismatik und Geldgeschichte, die miteinander im Verbund tätig sind. Hiervon besitzt die Numismatik die Komponente der Historischen Hilfswissenschaften mit ihren Elementen der Quellenkritik und –beschreibung, während die Geldgeschichte mit anderem Instrumentarium in die Allgemeine Geschichte, in die Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, aber auch in die Volkskunde wirkt. In der Arbeit des Historikers sind diese Werkzeuge und Sichtweisen miteinander verzahnt, nach dem Motto «getrennt vermitteln und vereint damit arbeiten».

 Inhaltlich erstreckt sich der Überblick von den Karolingischen Münzreformen bis zu den Reichsmünzordnungen des 16. Jahrhunderts. Letztere bilden die Nahtstelle zu dem für das folgende Semester geplanten Zyklus, der bis in die Gegenwart führen wird.

Literatur: Arnold Luschin von Ebengreuth, Arnold, Allgemeine Münzkunde und Geldgeschichte des Mittelalters und der neueren Zeit, in: Below u. Meinecke, Handbuch der mittelalterlichen und neueren Geschichte IV, 2. Aufl. München und Berlin 1926, unv. Nachdruck Darmstadt 1969; Hans Gebhart, Numismatik und Geldgeschichte, Heidelberg 1949; Robert Göbl, Numismatik. Grundriss und wissenschaftliches System, München 1987.

 

 

Di 9–11, WR C 911, Beginn: 19.10.2004

 

Was bedeutet das Verschwinden guthaltiger Goldmünzen aus dem Umlauf der frühmittelalterlichen Staaten für den Umbruch von der Antike zum Mittelalter und was hat der Islam mit alldem zu tun? War das mittelalterliche Silbergeld ein Merkmal ökonomischer Primitivität? – Das ebenso fundierte wie suggestive Hauptwerk des belgischen Historikers Henri Pirenne hat seit den 1930er Jahren eine jahrzehntelange intensive Diskussion um den Charakter und unser Verständnis von Antike und Mittelalter ausgelöst.

Auch wenn viele von Pirenne aufgeworfene Einzelfragen nicht zuletzt durch die archäologische Forschung in der Zwischenzeit gelöst wurden, kann die Beschäftigung mit den Thesen von Pirenne und die von ihm angestoßene Diskussion interessante Einblicke in die frühe abendländische Wirtschaftsgeschichte sowie in Genese und Wandel unseres kollektiven Geschichtsbilds vermitteln. Die geldgeschichtliche Frage der Goldmünzprägung soll dabei als Leitmotiv dienen.

 

Literatur:
Henri Pirenne: Mohammed und Karl der Große. Untergang der Antike am Mittelmeer und Aufstiegs des germanischen Mittelalters. Mit einem Nachwort von Dan Diner, Frankfurt/M. 1985 (als Kopiervorlage im Seminarordner); Maurice Lombard: Les bases monétaires d’une suprématie économique. L’or musulman du VIIe au XI siècle, Annales E.S.C. 2 (1947), S.143-160; Paul Egon Hübinger (Hg.) Bedeutung und Rolle des Islam beim Übergang vom Altertum zum Mittelalter, Darmstadt 1968.

 

 

 Do 16-18, WR C 916, Beginn: 21.10.2004

 

Diese Vorlesung bietet einen Überblick über die verschiedenen Teilgebiete der Historischen Hilfswissenschaften wie Diplomatik (Urkundenlehre), Paläographie (alte Schriften), Chronologie (Zeitrechnung), Numismatik (Münzkunde), Historische Bildkunde, Papyrologie, Epigraphik (Inschriften), Historische Statistik, Genealogie, Historische Kartographie, Sphragistik (Siegelkunde) und Aktenkunde. Sie wird von elf Experten der Universität, des Hessischen Landesamtes und des Marburger Staatsarchivs gehalten und richtet sich an alle Historiker, die sich auch für die materielle Seite der Quellen interessieren. Die erste Sitzung steht unter dem Titel „Wozu Historische Hilfswissenschaften“ und wird von allen Dozenten gemeinsam bestritten. Die Termine der einzelnen Vorträge werden zu Beginn des Semesters am Anschlagbrett und auf der Homepage des Instituts für Mittelalterliche Geschichte bekannt gegeben.

 

 

Vorgeschichtlichtliches Seminar

 

Mo 16-18, HH-Übungsraum, Beginn: 25.10.2004

 

Münzen stellen in der Archäologie eine besonders vielschichtige Fundgattung dar. Ihre Erforschung gewährt nicht nur Einblick in handwerkliches Können, regionales Stilempfinden und teils großräumige Kultur- und Wirtschaftsbeziehungen, sondern berührt auch wichtige Fragen zur Gesellschaftsstruktur wie auch zu Wert- und Glaubensvorstellungen. Verschiedene Auffindungsarten (Fundmünzen in Gräbern, Siedlungen und Heiligtümern, Münzdepots und Einzelfunde von Sondengängern) besitzen dabei ganz unterschiedliche Aussagemöglichkeiten aber auch quellenspezifische Einschränkungen bei ihrer Interpretation. Das Seminar widmet sich neben der Einführung in einige grundlegende Kenntnisse zum keltischen Münzwesen (Münzsysteme, Prägetechnik, Chronologie) besonders den vielfältigen Erkenntnismöglichkeiten, die Münzen für die archäologische Forschung zur jüngeren Eisenzeit bieten. Geeignet für Grund- und Hauptstudium.

 

 

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